Zum Inhalt springen
Krypto Navigator

Liquidity Pools und Impermanent Loss einfach erklärt

Von Malte Jäger, aktualisiert am , 4 Minuten Lesezeit, Schritt 24 von 29 im Lernpfad

Illustration: Ein rundes Becken voller Münzen in zwei Farben, die sich vermischen, gespeist von kleinen Kanälen.
KI-generiertes Bild, erstellt mit Higgsfield

Kurz erklärt

Ein Liquidity Pool ist ein Topf aus zwei Token in einem Smart Contract, aus dem eine dezentrale Börse Tauschgeschäfte bedient. Wer Token in den Pool einzahlt, wird Liquiditätsanbieter und erhält einen Anteil an den Handelsgebühren. Das Risiko: Verändert sich das Preisverhältnis der beiden Token stark, hat man am Ende weniger Wert als beim einfachen Halten. Das nennt man Impermanent Loss.

So funktioniert ein Liquidity Pool

Eine dezentrale Börse braucht für jedes Token-Paar einen Vorrat, aus dem sie Tauschgeschäfte bedienen kann. Diesen Vorrat stellen Nutzer bereit, die sogenannten Liquiditätsanbieter.

  1. Du zahlst zwei Token im gleichen Wert in den Pool ein, zum Beispiel Ether und USDC.
  2. Du erhältst dafür einen Beleg in Form eines Tokens, den LP-Token. Er zeigt, wie groß dein Anteil am Pool ist.
  3. Jeder Tausch im Pool zahlt eine Gebühr, die im Pool bleibt. Dein Anteil wächst dadurch mit.
  4. Gibst du den LP-Token zurück, bekommst du deinen Anteil an beiden Token aus dem Pool ausgezahlt.

Womit Liquiditätsanbieter Geld verdienen

  • Handelsgebühren: Bei vielen Pools 0,3 Prozent pro Tausch, bei Stablecoin-Pools oft deutlich weniger. Je mehr gehandelt wird, desto mehr verdienst du.
  • Zusätzliche Belohnungen: Manche Projekte schütten eigene Token an Liquiditätsanbieter aus, um Kapital anzulocken. Das nennt man Liquidity Mining. Diese Belohnungen verlieren oft schnell an Wert.

Impermanent Loss: der Haken

Der Pool hält das Wertverhältnis seiner beiden Token immer ausgeglichen. Steigt der Preis eines Tokens, kaufen Händler ihn günstig aus dem Pool, bis der Preis wieder dem am Markt entspricht. Der Pool verkauft also automatisch den Token, der steigt, und kauft den, der fällt.

Für dich heißt das: Du hast am Ende weniger von dem Token, der gestiegen ist, als wenn du einfach beide gehalten hättest. Dieser Unterschied heißt Impermanent Loss, auf Deutsch vorübergehender Verlust.

Beispiel

Du zahlst 1 ETH und 2.000 USDC in einen Pool ein, ein ETH kostet 2.000 USDC. Dein Einsatz ist 4.000 USDC wert.

Der Preis von ETH verdoppelt sich auf 4.000 USDC. Durch den Handel im Pool besitzt du jetzt etwa 0,707 ETH und 2.828 USDC, zusammen rund 5.657 USDC.

Hättest du 1 ETH und 2.000 USDC einfach gehalten, wären sie 6.000 USDC wert. Der Impermanent Loss beträgt rund 343 USDC oder 5,7 Prozent, bevor die verdienten Gebühren eingerechnet sind.

Wie groß der Verlust werden kann

Der Impermanent Loss hängt nur davon ab, wie stark sich das Preisverhältnis der beiden Token verändert, nicht in welche Richtung:

Preisänderung eines Tokens Impermanent Loss
1,25-fach 0,6 %
1,5-fach 2,0 %
2-fach 5,7 %
3-fach 13,4 %
4-fach 20,0 %
5-fach 25,5 %
Halbierung 5,7 %

Ob sich ein Pool lohnt, hängt also davon ab, ob die verdienten Gebühren den Impermanent Loss übersteigen.

Warum „vorübergehend“?

Kehrt das Preisverhältnis zum Ausgangswert zurück, verschwindet der Verlust wieder. Endgültig wird er erst, wenn du deine Token bei einem veränderten Preisverhältnis aus dem Pool abziehst. In der Praxis ist er deshalb oft alles andere als vorübergehend.

Pools mit wenig und viel Risiko

  • Stablecoin-Pools, etwa USDC und EURC oder zwei Dollar-Stablecoins: kaum Impermanent Loss, weil sich das Verhältnis wenig ändert, dafür meist geringe Gebühren
  • Pools mit eng verwandten Token, etwa Ether und ein Liquid-Staking-Token: ebenfalls geringes Risiko
  • Pools mit unabhängigen Token, etwa Ether und ein kleiner Altcoin: hohe Gebühren möglich, aber auch hoher Impermanent Loss

Bei neueren Börsen kannst du deine Liquidität außerdem auf einen Preisbereich begrenzen. Innerhalb dieses Bereichs verdienst du deutlich mehr Gebühren, verlässt der Preis ihn, verdienst du gar nichts mehr und der Impermanent Loss fällt höher aus. Das ist eher etwas für Fortgeschrittene.

Weitere Risiken

  • Fehler im Smart Contract des Pools
  • Wertverlust eines Tokens: Fällt einer der beiden Token stark, hältst du am Ende vor allem diesen
  • Betrügerische Pools: Bei unbekannten Token können die Entwickler die Liquidität abziehen und verschwinden

Häufige Fragen

Lohnt es sich, Liquidität bereitzustellen?

Das hängt vom Pool ab. Bei Pools mit viel Handel und stabilen Preisverhältnissen können die Gebühren den Impermanent Loss übersteigen. Bei stark schwankenden Token verlieren viele Anbieter im Vergleich zum einfachen Halten.

Was ist ein LP-Token?

Der Beleg für deinen Anteil am Pool. Wer ihn besitzt, kann den Anteil auszahlen lassen. Verlierst du den LP-Token, verlierst du auch deinen Anteil.

Wie werden Liquidity Pools versteuert?

Das ist in Deutschland nicht abschließend geklärt. Je nach Ausgestaltung kann schon die Einzahlung als Tausch gelten. Bei größeren Beträgen solltest du eine Steuerberatung hinzuziehen. Die Grundregeln stehen im Artikel Krypto-Steuern in Deutschland.

Kann ich durch Impermanent Loss mein ganzes Geld verlieren?

Durch den Impermanent Loss allein nicht. Fällt aber einer der beiden Token auf null, besteht dein Anteil am Ende fast nur noch aus diesem wertlosen Token.